Kohlekraftwerke sterben nicht. Sie werden getötet.


Der ehemalige Präsident des Verwaltungsrats der Repower, Eduard Rikli, behauptete am 11. Juni 2016 in der Südostschweiz, das Unternehmen hätte auch ohne Widerstand von Umweltschützern auf den Bau der geplanten Kohlekraftwerke verzichtet. Das ist falsch. Das Ende solcher Bauprojekte ist das Ergebnis beharrlicher Arbeit von Umweltschützern. 

Zeitungsauschnitt eines Interviews mit dem ehemaligen Repower Verwaltungsratspräsidenten der Repower, Eduard Rikli. Montage.
Hätte Repower die Kohlekraftwerke in Brunsbüttel und Saline Joniche ohne den Widerstand der Umweltschützer gebaut? Eduard Rikli verneint in der Südostschweiz.

«Damit ist die Realisierung eines ersten Blocks sichergestellt», hatte die damalige Rätia Energie jubiliert, als sie sich im April 2009 mit 51% an Brunsbüttel beteiligte. Rätia Energie und SüdWestStrom wollten «das Projekt zügig vorantreiben», hiess es.

Ohne Klagen von Umweltschützern wäre das Projekt zum Zeitpunkt des Einstieg der heutigen Repower praktisch baureif gewesen.

Konsequenter Widerstand in den Gerichten verzögerte das Bewilligungsverfahren.

In Graubünden wurde die Investitionsfähigkeit des Schlüsselinvestors Repower durch die Volksinitiative Ja zu sauberem Strom ohne Kohlkraft in Frage gestellt.

Der Widerstand der Bürger vor Ort tat ein Übriges, bis schliesslich Schleswig-Holstein nach Wahlen der Projektgesellschaft die Verlängerung der Landkaufoption verweigerte, was dem Projekt den Todesstoss versetzte, als es wegen zwischenzeitlich verlorener Wirtschaftlichkeit ohnehin arg taumelte.

Wären die Kohlekraftwerke Saline Joniche oder Brunsbüttel «zügig» durch ihre Bewilligungsverfahren gegangen, hätte Repower diese Kraftwerke zweifellos gebaut — und der Konzern wäre zwischenzeitlich fast unrettbar illiquid geworden.

Das Ende des Projekts Kohlekraftwerk Brunsbüttel ist klar eine Folge der Arbeit von ganz vielen und verschiedenen Umweltschützern.

Bei Saline Joniche wird es auch nicht anders sein. Die Umweltschützer sind in Schleswig-Holstein, Kalabrien, der Schweiz und überall in der Welt aktiv — es sind Campaigner, Aktivisten, Politiker und Spender. 

Im gleichen Interview räumte Rikli nach doppelter Nachfrage allerdings auch ein, er sei («aber sicher») froh, dass Repower keines der Kohlekraftwerke baute — oder eben, keines bauen konnte.

Auch ohne Kohlekraftwerk wäre die Repower beinahe illiquid geworden, wenn man denjenigen glaubt, die es wissen werden — ausser Rikli, der im gleichen Interview einsam behauptete, die Repower habe keine unmittelbaren Liquiditätsprobleme gehabt.

Mit einem Kohlekraftwerk als Hypothek, wäre eine Rettung durch die EKZ und die UBS zweifellos ausgeschlossen gewesen. Graubünden hätte einspringen müssen oder Repower wäre aufgelöst worden. (Vgl. dazu den Beitrag Ist die Kehrtwende der Repower ein leeres Versprechen?)

Kohlekraftwerke gehen nicht von selbst

Die übermütige Dreckstromstrategie der Repower ist nicht einfach aufgegeben worden. Sie wurde be- und schliesslich verhindert. Die Repower hat mit ihren zerstörerischen Absichten gegen die Umweltschützer verloren. Paradoxerweise hätte die Repower sich selbst zerstört, wäre sie nicht gestoppt worden. Das lässt sich nun nicht mehr bestreiten, unabhängig davon, was Rikli noch behauptete. 

Erneuerbare kommen nicht von selbst

Rikli vergass, unterschlug oder wollte nicht wahrhaben, dass auch der Zubau der neuen erneuerbaren Energien, welcher den Kohlekraftwerk-Träumen der Repower den Todesstoss versetzte, selbstverständlich nicht ohne Weiteres kam. Da steckt viel politische Arbeit dahinter. Rahmenbedingungen ändern sich nicht von selbst.

«Motorradfahrer sterben nicht, sie werden getötet», hiess es mal auf dem T-Shirt einer Motorradfahrerin. Das trifft oft zu, wenn auch nicht immer. Bei Kohlekraftwerken trifft es dagegen fast immer zu, egal, was die ehemaligen Fürsprecher dieser Klimakiller behaupten.


Titelbild: Auch das Kohlekraftwerk Plomin C in Kroatien wird nach jahrelangem Widerstand nicht gebaut. Another one bites the dust. bit.ly/plominc

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