Wasserkraft und Repower: in die nächste Sackgasse

Bei der Diskussion um das Debakel des Bündner Stromkonzerns geht bisher unter, dass die Repower, objektive Probleme ignorierend, mit einiger Wahrscheinlichkeit von einer Sackgasse in die nächste manövriert wird. Die grössten aktuellen Probleme und Risiken, der Energiegrosshandel und das Italiengeschäft, bleiben bisher unangetastet. Der neue Fokus auf die Wasserkraft, bietet keine Gewähr für die Zukunft, jedenfalls nicht langfristig, das zeichnet sich schon jetzt ab. Es könnte schwierig werden, den Kurs schon bald erneut zu wechseln, denn mit einem grösseren und stärker diversifizierten Kartell der Grossaktionäre wird der Konzern noch träger.

Abgesehen vom anerkannten Handicap knapper Finanzen (daran ändert auch die Kapitalerhöhung um gut 170 Millionen Franken wenig), weil zu lange zu viel Geld verschwendet wurde — und das Abstossen der AKW-Beteiligungen weitere Mittel beanspruchen dürfte — sind die grössten Probleme der Repower diese:

  • Das Energiehandelsgeschäft birgt zu grosse Risiken. Es ist mit einem bescheidenen Liquiditätspolster und tiefen Kreditratings im gehabten Ausmass nicht mehr zu verantworten.
  • Das Italiengeschäft ruiniert den Konzern.
  • Die Wasserkraft ist, wenn überhaupt ein Zukunftsmodell, dann ein riskantes und kein langfristig tragfähiges.
  • Dienstleistungen durch staatliche Unternehmen sind ordnungspolitisch und staatsrechtlich problematisch.
  • Die operative und strategische Führung hat versagt, ist unglaubwürdig und verdient kein Vertrauen. Die Wahl von Pierin Vincenz als Präsident des Verwaltungsrats ist nicht vertrauenserweckend.
In den vergangenen Jahren wurden norme Preisreduktionen erzielt. | Photovoltaikanlage.
In den vergangenen Jahren wurden norme Preisreduktionen erzielt. Allein auf den Dächern Graubündens liesse sich gleich viel Energie produzieren wie in den Atom- und Wasserkraftwerken der Repower.  |  Photovoltaikanlage.

Zum internationalen Energiehandel

Trotz mehrfachen Nachfragens wollte Eduard Rikli, der scheidende Präsident der Repower, an der ausserordentlichen Generalversammlung am 21. Juni 2016 keine aufschlussreiche Antwort auf die Frage geben, welche Bedeutung und Perspektive der Energiehandel in Repowers neuer Strategie hat. Der neue Verwaltungsrat müsse das entscheiden, sagte Rikli. Es ist denkbar, dass ein Teil der strategischen Neuausrichtung stillschweigend vorsieht, diesen wichtigen Geschäftsbereich, oder Teile davon, so schnell wie möglich herunterzufahren oder aufzugeben. Wenn es nicht sogar unausweichlich ist, ist das richtig und wichtig. Wie sehr gefährlich und im Moment verlustreich das Handelsgeschäft ist, lässt sich, wenn auch mühsam, unzweifelhaft aus dem Geschäftsbericht 2015 herauslesen. (Dieser Artikel auf retropower.ch analysiert den Bericht mit Fokus auf den Energiegrosshandel und das Italiengeschäft.) Der Austausch von Energie über die Landesgrenzen hinweg, den schon die Rätia Energie betrieb, muss nicht in Frage gestellt werden. Viel zu gefährlich für die Repower ist jedoch der Handel mit riesigen Energiemengen, welche mit der Produktion in Graubünden und dem Versorgungsauftrag praktisch nichts zu tun haben, aber im Moment für Repower noch bestimmend sind.

Repowers Energiebilanz auf einen Blick. | Zahlen: Geschäftsberichte (Fremdproduktion Strom und Erdgas: Jahre 2014 und 2015), Broschüre Repower auf einen Blick 2015 (Produktion aus eigenen Kraftwerken und Beteiligungen und Vertrag Grischelectra; langjährige Mittelwerte). Vergrössern.
Repowers Energiequellen auf einen Blick. | Zahlen: Geschäftsberichte (Fremdproduktion Strom und Erdgas: Jahre 2014 und 2015), Broschüre Repower auf einen Blick 2015 (Produktion aus eigenen Kraftwerken und Beteiligungen und Vertrag Grischelectra; langjährige Mittelwerte).

Zum Italiengeschäft

Obschon das Segment Italien die Repower in den Abgrund reisst, soll das Italiengeschäft weiter ein wichtiges Element von Repowers neuer Strategie sein. Dies ist irritierend und unverständlich, denn erstens ist das Energiegeschäft in Italien stark defizitär und zweitens sind die Einkünfte aus Dienstleistungen im südlichen Nachbarland praktisch bei null und trotz auffälligem Werbeaufwand sogar sinkend. Dass das Gaskraftwerk überbewertet ist, macht die Ausgangslage in Italien auch nicht besser. Die auffälligen und für den ganzen Konzern rufschädigenden moralischen Verfehlungen in Italien seien hier nur knapp erwähnt, aber einige sind in diesem jungen Artikel angeschnitten. Diese Verfehlungen verbessern die Geschäftsaussichten nicht, machen aber teure Imagekampagnen notwendig. Der Verdacht drängt sich auf, dass entgegen aller Vernunft das Italiengeschäft nicht angetastet wird, weil der anscheinend in Italien wie ein König waltende Fabio Bocchiola in der Geschäftsleitung vermutlich mehr Einfluss hat als der CEO Kurt Bobst.

Zur Wasserkraft

Die Wasserkraftwerke sind gemäss der Kommunikation der neuen Ankeraktionäre der wichtige Pfeiler in Repowers neuer Strategie. Mit den durch die Kapitalerhöhung neu eingebundenen Grossaktionären EKZ und UBS CEIS wird diese Ausrichtung bekräftigt. Es gibt jedoch mehr als nur Anzeichen, dass die Wasserkraft gegen die Wind- und die Sonnenergie langfristig, im Abschreibungszeitraum von Wasserkraftinvestitionen, chancenlos ist. Es gibt jedenfalls keinerlei Gewähr dafür, dass die Wasserkraft je wieder zu einer Cash-Cow wird, langfristig sowieso nicht, aber mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht einmal vorübergehend.

Graphik Produktionskosten günstigstem Photovoltaik- und Windstrom weltweit 2016 und Wasserkraft Schweiz. Neue Anlagen ohne Förderung.
Die neuen Energien unterbieten die Wasserkraft noch längst nicht systematisch, in den besten Fällen aber bereits heute sehr erheblich. | Günstigste Produktionskosten von Strom aus Windenergie, Photovoltaik (PV) weltweit 2016 und Wasserkraft Schweiz. Neue Anlagen ohne Förderung, ausser bei Offshore Wind in Holland, wo die Transmission bis zur Küste staatlich finanziert ist. | Quellendaten: Wind onshore, offshore, PV D, USA, Dubai, Indien, Wasserkraft (S. 52). Einen aktuellen Artikel über die Preisentwicklung von PV gibt es hier.

Bereits heute sind Wind– und Sonnenstrom auch ohne Förderung oft deutlich günstiger als Strom aus Wasserkraft. Und der Ausbau der neuen Erneuerbaren könnte wie bisher stets schneller erfolgen als die Stilllegung von alten Kraftwerken.

Oft wird geglaubt und argumentiert, Wasserkraftwerke könnten besser abrufbar Energie liefern als Wind– oder Solarkraftwerke. Dies trifft nur auf Speicher-Wasserkraftwerke zu, wobei auch diese oft einen sehr erheblichen, sogar überwiegenden Anteil Laufwasserkraft aufweisen. Insgesamt produzieren die Speicherkraftwerke knapp das 2,5-fache der maximal speicherbaren Energie. Neue Speicherkraftwerke sind trotz des Vorteils der (beschränkten) Speicherfähigkeit klar zu teuer. Laufwasserkraftwerke liefern eher schlechter über das Jahr und den Tag verteilt Strom als Wind- oder Sonnenenergie und erst recht eine Kombination aus Wind- und Solarstrom.

Diese wichtigen Tatsachen oder Perspektiven scheinen von der Repower und ihren Grossaktionären verdrängt zu werden. Junge Aussagen von Regierungsrat Mario Cavigelli bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit von Wasserkraftwerken sollten für alle, die um Repower besorgt sind, schweisstreibend sein. Die Südostschweiz zitierte Mario Cavigelli im März (2016) mit der Aussage, die Wasserkraft produziere etwa sechsmal günstiger als die Photovoltaik und viermal günstiger als der Wind.

Foto einer Dammsprengung aus dem Trailer des Films DamNation.
2014 wurden in den USA 72 Staudämme und -mauern abgerissen, darunter war die 64 Meter hohe Staumauer des Glines Canyon. Der Trend könnte mit Verspätung auch in der Schweiz ankommen. Der Film DamNation dokumentierte den Rückbau von Wasserkraftwerken in den Staaten und half, die Bewegung zu verstärken. | Dammsprengung. Screenshot aus dem Trailer von DamNation.

Ein aufgeklärterer Umgang mit der aktuellen Konkurrenzfähigkeit und der wirtschaftlichen Perspektive von Wasserkraftwerken bzw. ihrer erneuerbaren Konkurrenten wäre notwendig. Dazu müsste eine Strategie mit Varianten erstellt werden, welche auch den Verkauf von Wasserkraftwerken zulässt — so lange es noch Käufer gibt. Es sollte geplant werden, unter welchen Szenarien der Marktentwicklung welche Werke erneuert, verkauft oder stillgelegt werden — wie auf retropower.ch schon früher empfohlen wurde. Jedenfalls ist es gefährlich, die Zukunftsfähigkeit der Wasserkraft als gegeben zu erachten.

Die Blindheit mit der nun trotz riesiger Warnzeichen an der Wand auf die Wasserkraft gesetzt wird, erinnert daran, wie die Repower trotz der Förderung zur Nutzung von neuen erneuerbaren Energien und dem Wissen um Klimawandel noch auf fossile Kraftwerke und Pumpspeicher setzte.

Es ist davon auszugehen, dass ein wesentlicher Teil von Repowers neuem Kapital dazu dienen soll, manche Wasserkraftwerke so umzubauen, dass diese zum Bezug einer kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) berechtigt sind. Repower hat dafür einen Finanzbedarf von 100 Millionen Franken postuliert. Es muss sich rentieren. Die Frage ist, für wen. Bestimmt nicht für diejenigen, die es zu berappen haben, die hilf– und oft ahnungslosen Stromkonsumenten. Für die betroffenen Kraftwerke sichert die KEV die Rentabilität, den Lohnbezügern in den Energiekonzernen das Gehalt, den oberen Etagen zusätzlich die Boni und den Gebirgskantonen die Wasserzinsen.

Wie und warum Umbauten oder Erneuerungen, wie sie die Repower beabsichtigt, bestehende Kraftwerke KEV-berechtigt machen, entzieht sich der Kenntnis des Schreibenden. Systematisch kostendeckende Beiträge aus Erneuerungen zu ergattern, ist nach meinem Verständnis auch nicht mit der Absicht der KEV vereinbar, da die KEV eigentlich den Bau neuer Anlagen bezweckt und noch eigentlicher Technologien fördern sollte, die dank der Förderung die Wirtschaftlichkeitsschwelle erreichen können, wie dies bei der Wind- und Sonnenenergie absehbar ist, z. T. sogar schon der Fall ist.

Die Repower mutiert nun zur Avantgarde unter den Einheizern der Subventionsmaschinerie (Kurt Bobst) des Bundes. So ändern sich die Zeiten. Und das Geld, das in die Wasserkraft fliesst, fliesst in ein Fass ohne Boden, eines, für das auf lange Sicht keine Hoffnung besteht.

Preisentwicklung von Sonnenstrom

Es lohnt sich auch, zu bedenken, was eigentlich der alten Strategie der Repower einen Strich durch die Rechnung machte, neben dem gewaltigen Zubau von fossil befeuerten Kraftwerken während der goldenen Jahre der Stromwirtschaft: Es war die Preisentwicklung von Strom aus neuen erneuerbaren Energien und besonders des Stroms aus Sonnenenergie.

Peisentwicklung von Photovolatikstrom gegenüber fossilen Energieträgern in den USA. Leitungsgebundenes Erdgas ("Henry Hub"), Steinkohle, Erdöl, verflüssigtes Erdgas und Solar bis 2012.
Peisentwicklung von Photovolatikstrom gegenüber fossilen Energieträgern in den USA. Leitungsgebundenes Erdgas („Henry Hub“), Steinkohle, Erdöl, verflüssigtes Erdgas und Solar bis 2012.

Dieser Preiszerfall entzog den Kohle-, Gas- und Pumpspeicherkraftwerken den lukrativen Markt — z. T. vielleicht vorübergehend, vielleicht aber auch für immer. Nun bedrängen die neuen Energien auch die Wasserkraft — auch ohne Förderung. Der Einfluss dieser Entwicklung auf den Erfolg oder Misserfolg der neuen Strategie der Repower sollte nicht erneut unterschätzt werden.

Zu Dienstleistungen

In der Schweiz sind die Beiträge aus Dienstleistung gemäss den Angaben der Repower bereits erheblich und zunehmend. Ausserdem scheinen sich die Dienstleistungsangebote und Dienstleistungsarbeiten auf Sektoren zu konzentrieren, in denen das Unternehmen Kompetenzen aufweist, welche von einem beliebigen Konkurrenten nicht leicht aufgebaut werden können, wie dem Service und dem Management von Kraftwerken oder von Übertragungsinfrastruktur, etc. Der Ausbau dieses Geschäftsfelds scheint vernünftig zu sein, sollte aber an die beschränkten Ressourcen angepasst bleiben. Hier durch Akquisitionen im Stil der BKW oder der Alpiq Risiken anzuhäufen, wäre unangemessen.

Vermehrt Dienstleistungen aufzugleisen, bei denen die Repower in Konkurrenz zu vielen Gewerbetrieben steht, sollten nicht nur darum kritisch betrachtet werden, weil es problematisch ist, wenn Unternehmen, die mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand sind, sich in diesem Bereich betätigen. Repower besitzt dort auch keinen erheblichen Startvorsprung. Zudem wirkt ein Stromanbieter, der auch als umweltfreundlicher Stromsparer auftritt, wenig glaubwürdig — erst recht, wenn der Stromsparer eine dubiose Vergangenheit mit Kohlekraftwerken aufweist.

In Italien macht die Repower hingegen genau das, was sie auf keinen Fall tun sollte: Mit gigantischen Werbeaufwand wird versucht — bisher praktisch vergeblich, vielleicht nicht überraschend — ein Geschäftsfeld aufzubauen, das kaum Sinn macht: mit wohlklingenden Namen ausgestattete, traditionelle Energieberatung, gestylte Steckdosen für Elektrofahrzeuge und Ähnliches.


« Hellhörig macht mich, wenn ausserkantonale und internationale Lobbyisten dahinterstecken und uns sagen wollen, was wir zu tun und zu lassen haben. Diese Leute wollen Repower und die Wirtschaft in unserem Kanton ganz bewusst schwächen und in die Sackgasse führen. » 
(Sackgasse-Verschwörungstheorie von Claudia Bundi, Präsidentin FDP-Frauen Graubünden, Chur. Zitat aus einem Leserbrief gegen die Volksinitiative ‚Ja zu sauberem Strom ohne Kohlekraft‘ im Bündner Tagblatt, erschienen am 13. September 2013)


Zur Führung

Sowohl die operative, wie auch die strategische Führung der Repower hat versagt, wie keine andere in der Schweizer Energiewirtschaft versagt hat — und das will etwas heissen. Neu soll die Schlüsselrolle in der Repower mit Pierin Vincenz besetzt werden. Dieser hatte sich zehn Tage vor der ersten Anti-Kohle Abstimmung bei Regierungsrat Cavigelli mit einem Leserbrief in der Südostschweiz beliebt gemacht. Darin setzte er sich für den zum scheitern verurteilten und zwischenzeitlich auch gescheiterten Kurs der Repower ein. Er schrieb u. a.: „Das [erfolgreiches Wirtschaften] setzt Vertrauen in die Organisation und die verantwortlichen Entscheidungsträger voraus.“ Und er schloss: „Mein Vertrauen in die Verantwortlichen in der Energiebranche und in die Stimmbürger ist gross.“ Er irrte sich komplett, ausser bezüglich der Stimmbürger, aber das war nicht in seinem Sinn gewesen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Vincenz nun dank des Irrtums, dem er unterlief und den er öffentlich vertrat (Vertrauen in die Verantwortlichen) und dem Beinahe-Konkurs der Repower als Folge davon — es ist doch kaum zu glauben — Präsident von Repowers Verwaltungsrat wird! Diese Wahl lässt für die Zukunft nichts Gutes ahnen, warum wird in diesem Artikel auf retropower.ch erklärt. Wir werden sehen, ob Vincenz Repowers Geschäftsleitung weiterhin als vertrauenswürdig erachtet.

Folgerungen

Der Geschäftsbericht 2015 zeigt, dass das Segment Markt Schweiz der Repower trotz der tiefen Energiepreise noch ziemlich tragfähig ist, obschon die Hypotheken Grischelectra und AKW-Beteiligungen diesem Segment zugeordnet sind, bzw. angelastet werden.

Würde Repower um die verlustreichen Segmente und Aktivitäten abgespeckt, stände der Konzern schon viel besser da als zuvor. Dennoch sollten die Veränderungen im Energiesektor zu Vorsicht Anlass geben und auch die neue Strategie sollte kritisch betrachtet werden.

Dass die Repower aus einer Sackgasse in die nächste zu geraten droht, zeigt: Die Führung und die Führungsstruktur sind ungeeignet. Personelle Wechsel sind angezeigt. Repower braucht in der operativen Führung nun einen Sanierer. Aber das reicht nicht aus. Gibt es im Verwaltungsrat keine fachkompetenten unabhängigen Experten, Denker und Beobachter, sollte sich der Verwaltungsrat statt einer überteuerten Geschäftsleitung ein Beratungsgremium leisten, das einerseits die Strategie weiterentwickelt und andererseits angesichts der akuten Probleme die Repower operativ berät, zuerst, um den Konzern schnell umzustrukturieren. Dieses Beratungsgremium muss auch darum weitgehend unabhängig sein — z. B. Experten, die der Wissenschaft nahe stehen —, weil es unter den neuen Grossaktionären erhebliche Interessenskonflikte gibt.

Während der Periode mit Axpo und Graubünden als einzige Grossaktionäre wurde gerne herausgestrichen, dass diese wegen des Aktionärsbindungsvertrags über ein Vetorecht in strategischen Fragen verfügen. (Regierungsrat Mario Cavigelli missbrauchte diesen Sachverhalt, um mit seiner Axpo-Lüge für den Gegenvorschlag zur Anti-Kohle Initiative zu werben. Cavigelli behauptete, die Gefahr sei gross, dass der Kanton wegen des Vetorechts seinen Anteil an der Repower der Axpo verkaufen müsse.)

Mit vier statt zwei Grossaktionären wird die Repower eher noch träger werden, denn das Vetorecht dürfte weiterhin bestehen. Ist das Unternehmen falsch eingespurt (Italien, Energiehandel, Wasserkraft), könnte sich das Vetorecht der Grossaktionäre in dramatischer Art negativ auf die Zukunft der Repower auswirken.

Die SVP Valposchiavo hatte sich im Vorfeld der Antikohle-Initiative wie kaum ein anderer Ableger der Politik für die schlimmsten Auswüchse der nun gescheiterten Repower Strategie stark gemacht. Ausnahmsweise kann der SVP im Tal des Repower Hauptsitzes nun beigepflichtet werden, die am 23. Juni 2016 im Il Grigione Italiano schrieb: „Wenn die wirtschaftlichen Schwierigkeiten anhalten, ist es einfach, vorherzusehen, dass die Repower sich redimensionieren, sich neu positionieren und vor allem die Kosten beschränken muss.“ Und: „Der Eindruck ist klar derjenige, dass der Kanton zu spät auf die Umstände reagiert, wenn die Varianten weniger werden und das Unternehmen anfälliger.“

Repowers CEO Kurt Bobst gibt sich derweil uneinsichtig und weiterhin hochmütig. Nachdem Trägheit und mangelnde Einsicht den Konzern fast ruiniert hätten, behauptete Bobst am 7. Juli 2016, selbstbewusst im Il Grigione Italiano, Repower sei immer der Innovation und der Flexibilität zugeneigt gewesen. Es seien: „Eigenschaften, die sich heute als nützlich erweisen.“

Die Krise der Repower ist selbstverschuldet, früher und in Zukunft. Es soll bitte nicht erneut behauptet werden, „niemand“ habe die Situation kommen sehen (Karl Heiz, gemäss Bündner Tagblatt und Schweizer Radio), und auch nicht „alle“ seien überfallen worden (Regierungsrat Mario Cavigelli in der Session, in der Repowers Debakel Thema war, gemäss bluewin.ch).

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